Kolumne
 Gaybodensee Kolumne

Hier greifen monatlich im Wechsel diejenigen zur Feder, die diese gleich ihrem Zungenschlag spitz einzusetzen wissen und schonungslos all das durchhecheln, was ihnen gerade auf der Leber brennt. Das Szenegeschehen wird zur Zielscheibe des Klatsch & Tratschs und oft ein gut gehütetes Geheimnis ganz beiläufig gelüftet. Kurzweil, Spannung und aufschlussreiche Erkenntnisse verspricht die Kolumne der Stars und Sternchen, die wir hier einzeln vorstellen.



Gaybodensee Transenparade

 

*** K O L U M N E  Oktober 2018 ***



Oktoberfest...



Olga Popova

Oktober, ein Monat, der in München, Konstanz, Zürich und anderswo bereits im September mit Fahrgeschäften, Festzelten, Blasmusik, Brauchtumsumzügen, Schlachtfest und natürlich Unmengen Bier gefeiert und eingeläutet wird. Die Popova weiß dies, seit sie einmal in heller Vorfreude Anfang Oktober nach München zum Original des Oktoberfestes angereist ist, auch um mit ihren Smash-Hits eine der Festzeltbühnen zu erklimmen und bei einer Einkehr zu Mittag in einer Münchener Gartenwirtschaft die Kellnerin fragte, wie sie am besten zum Festgelände komme und von ihr nur Gelächter sowie ein "Ja mei, wos mägst? Sei ma ned bäs, s Oktoberfescht is imma im Septemba...". Sie bemühte sich angesichts meines Staunens über den bayerischen "Slang" um hochdeutsche Erklärung: "Sind Sie mir bitte nicht böse, das Oktoberfest ist immer im September". Ich verstand und fragte zwar zurück, weshalb es dann nicht Septemberfest heiße, aber da machte die Kellnerin schon kehrt mit ihren Maßkrügen in beiden Händen und ließ die Frage unbeantwortet. Ich hörte nur so etwas wie "dia Preißn..."...?
Hm, außerdem wurde sie von anderen "Zenzi" gerufen. Das mag ihr Name gewesen sein. Aber mich rufen die Mitschwestern ja auch oft "Popova". Wäre ich Kellnerin geworden, würde ich mich auch nicht von jedem mit "Olga" ansprechen lassen, zu distanzlos, zu direkt...
Ja, da laufen auch in Konstanz zum Oktoberfest immer mehr Leute in Dirndl, Lederhosen, Trachtenweste, karierten Hemden und manchmal sogar Gamsbarthüten herum. Wobei die Preise für originale Dirndl und Lederhosen dürften mit deren der Replikaten in allen Kaufhäusern nicht übereinstimmen, sondern immens teurer sein. Ich habe das einmal verglichen mit Ausstattern in München, da liegen Preiswelten dazwischen. In München gibt es hierfür deshalb auch inzwischen Geschäfte, um das Outfit auszuleihen. Hier am Bodensee ist es ja auch nicht traditionell verwurzelt, sondern irgendwie volkstümelnde Einheitsverkleidung im Herbst, bevor dann zu Halloween (auch nicht traditionell verwurzelt, sondern US-Import ohne Trump-Zölle) wieder Monster und Geister Konjunktur haben - zwei Mal (Sonder-)Fastnacht außerhalb der fünften Jahreszeit. Nun, Dirndl und Lederhosen gehen eben offenbar gut zu volkstümlichen Klängen und Blasmusik. Eigentlich das Genre von Wally Geier... Aber nochmal zu den Preisen: Meine Paillettenkleider und mein Iltispelz sind ja auch nicht ohne. Würden all meine Fans auf dieses Outfit umsteigen, Kaufhäuser zu meinen Konzerten solches als billige Replikate anbieten, wären wir auch eine große Gemeinde, meine Konzerte würden zu einem Großevent im Jahresverlauf..., etwa so wie Wacken oder Southside oder...
Mein Management ist dafür aber zu träge. Oder es hat Angst vor dem ersten Umzug durch die Stadt mit Hunderten oder Tausenden Popova-Transen in den Straßen. Vermutlich reicht ihm und der Welt eine einzige Popova. Nun, so bin ich eben einzigartig, nicht wahr?
Würden das auch die Mitschwestern erwägen, meine Güte... man stelle sich einen Umzug mit Tausenden Bang Bang LaDesh-Hausmeisterinnen in der Innenstadt vor oder auch Tausende Miss Understoods..., nein, man möchte das nicht wirklich haben. Gespenstisch wie an Halloween...
Damit ich noch ruhig schlafen kann, verdränge ich dieses Kopfkino.
Lasst es Euch gut gehen, ob mit Schlachplatte oder Tofu-Varianten, ob mit Dirndl und Lederhosen oder ohne, Hauptsache wir bekommen einen goldenen Herbst. Das wünsche ich Euch allen!

Euer strahlender Stern
Olga Popova


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